Alexander Kluges „Die Macht der Gefühle“ aus dem Jahr 1983 ist ein komplexer Film, der uns auf Irrwege bringen kann und selbst eher verschlossen bleibt. Ganz nach dem Prinzip von Andrei Tarkowskis „Stalker“ (1979) sind die Umwege allerdings der einzige Weg, Fortschritt zu machen. Der Film zeigt uns Handlungsfetzen, die beinah von Essayistik aufgefressen werden. Einige Ankerpunkte lassen sich in der Verortung der titelgebenden Gefühle in der Oper finden, die Kluge als „Haus der Gefühle“ bezeichnet, sowie in der großen These: „Das Gegenteil der Gefühle sind die Dinge“. Wer jetzt erstmal von der belehrend klingenden Natur des Films abgeschreckt sein mag, sei unbesorgt. „Die Macht der Gefühle“ ist ein ästhetisches Meisterwerk, in dem sich Diskurs in kleinen Nuancen versteckt statt im erhobenen Zeigefinger. Wie schon Tarkowski blättert Kluge in der Filmgeschichte statt im Kunstbuch und lässt schlussendlich das Haus der Gefühle im zerstörerischen Feuer aufgehen