einem bewegenden Stück über Sehnsucht und Identität werden lässt. Beim Internationalen Filmfestival von Venedig uraufgeführt und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet stellt der Film das berührende Porträt eines Frauenschicksals dar, das in einer Montage von Sequenzen das Leben der Anita G. in semi-dokumentarischer Manier eher andeutet als ausführt und erklärt. „Abschied von gestern ist der Film von jemandem, der das Kino gerade entdeckt hat und mit aller Unbefangenheit das macht, was andere nur unter großen Anstrengungen im Kampf mit dem vergangenen Kino fertigbringen: neue Ausdrucksmittel finden. Das macht sie barbarisch neu. In gewisser Weise ist Kluges Verhältnis zur Kinogeschichte ein ähnliches wie das seiner Anita G. zur deutschen Geschichte.“ Frieda Grafe, in Filmkritik, Oktober 1966
Sie ist als Kind jüdischer Eltern 1937 in Leipzig geboren und nach deren Rückkehr in der DDR aufgewachsen, wo sie Telefonistin war. Nach ihrer Flucht in den Westen wird sie Krankenschwester, begeht einen Diebstahl und wird auf Bewährung verurteilt. Sie entflieht ihrer Bewährungshelferin und zieht in eine andere Stadt.
Als Vertreterin einer Plattenfirma wird sie Geliebte ihres Chefs, der sie aber schließlich seiner Ehefrau zuliebe anzeigt. Auch ihren nächsten Job als Zimmermädchen verliert sie wegen eines ihr nachgesagten Diebstahls. Ihre Bemühung, sich an der Universität einzuschreiben, scheitert wegen ihrer defizitären Vorbildung, die ihr ein blasierter Universitätsassistent erbarmungslos aufzeigt.
Als Geliebte des Ministerialrats Pichota scheint sich ihr Schicksal zum Besseren zu wenden, doch als sie von ihm schwanger wird, fertigt er sie mit 100 Mark ab. Die mittlerweile steckbrieflich gesuchte Anita G. zieht von einem Ort zum anderen, bis sie sich wegen der bevorstehenden Geburt ihres Kindes der Polizei stellt. Das Kind wird ihr weggenommen, und im Frauengefängnis sieht sie ihrer kommenden Verurteilung entgegen.